Architektenkosten wie Honorare entstehen und was realistisch ist
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Die Frage “Was kostet ein Architekt?” lässt sich nicht pauschal beantworten.
Architektenkosten und Honorare variieren je nach Art und Umfang des Bauvorhabens, den beauftragten Planungsphasen nach der Honorarordnung und der Komplexität des Projekts.
Kurz gesagt
- Honorare orientieren sich an HOAI-Struktur und Leistungsphasen.
- Anrechenbare Baukosten sind die wichtigste Berechnungsbasis.
- Umfang und Komplexität beeinflussen die Honorarzone.
- Früh beauftragte Leistungen stabilisieren Kosten und Ablauf.
- Transparente Vereinbarung schafft Planungssicherheit.
Für eine zusammenfassende Einordnung speziell für Bayern siehe: → Architektenkosten Bayern
Wie Architektenhonorare entstehen
Architektenhonorare orientieren sich in der Regel an der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI).
Seit Juli 2021 sind die Honorarsätze nicht mehr verbindlich – Honorare können frei vereinbart werden. Die HOAI dient jedoch weiterhin als Orientierungsrahmen für Leistungsbilder und Honorarermittlung.
Sie legt fest:
- welche Leistungen zu welchen Planungsphasen gehören
- auf welcher Grundlage das Honorar berechnet werden kann
Das Architektenhonorar wird beeinflusst durch:
- Art des Bauvorhabens (Wohnbau, Gewerbebau, öffentliches Bauen)
- Honorarzone (abhängig von der Komplexität)
- beauftragte Phasen nach HOAI
- anrechenbare Baukosten (ohne Grundstück)
- Projektgröße und Besonderheiten (z. B. Denkmalschutz)
Praxis-Hinweis
Der HOAI-Rechner hilft bei der ersten Einschätzung von Architektenhonoraren. Er bietet eine Orientierung auf Grundlage der HOAI-Tabellen und erleichtert die Einordnung von Honoraren in Abhängigkeit von Baukosten und Leistungsumfang. Eine individuelle Honorarvereinbarung ersetzt er nicht.
Typische Honorarspannen – Beispiele
Die folgenden Prozentangaben dienen ausschließlich der groben Orientierung. Sie stellen keine verbindlichen Honorarsätze dar und ersetzen keine individuelle Vereinbarung.
Wichtig: HOAI arbeitet nicht prozentual
Die HOAI berechnet Honorare nicht prozentual von den Baukosten, sondern nach Tabellenwerten, die sich an den Baukosten orientieren, aber nicht linear sind. Die folgenden Prozentangaben sind nur als sehr grobe Orientierungswerte zu verstehen und können je nach Honorarzone und Projektgröße erheblich abweichen. Die tatsächlichen Honorare werden nach HOAI-Tabellen ermittelt, nicht durch einfache Prozentrechnung.
Pauschale Angaben sind schwierig, da jedes Bauvorhaben unterschiedlich ist:
- Grundlagenermittlung (LPH 1): ca. 2–4% der Baukosten
- Vorplanung (LPH 2): ca. 3–7% der Baukosten
- Entwurfsplanung (LPH 3): ca. 7–11% der Baukosten
- Genehmigungsplanung (LPH 4): ca. 11–15% der Baukosten
- Ausführungsplanung (LPH 5): ca. 15–20% der Baukosten
- Vorbereitung der Vergabe (LPH 6): ca. 2–3% der Baukosten
- Mitwirkung bei der Vergabe (LPH 7): ca. 1–2% der Baukosten
- Objektüberwachung (LPH 8): ca. 3–5% der Baukosten
- Objektbetreuung (LPH 9): ca. 1–2% der Baukosten
Alle Angaben sind Orientierungswerte.
Für die Gesamtleistung (LPH 1–9) ergibt sich theoretisch ein Honorar, das etwa 12–19% der Baukosten entspricht als grobe Orientierung, abhängig von der Honorarzone und der Komplexität des Projekts.
Die genauen Honorare werden nach HOAI-Tabellen berechnet, nicht prozentual.
In der Praxis werden jedoch selten alle Leistungsphasen beauftragt.
Oft übernimmt ein Architekt nur einzelne Phasen – etwa die Planung bis zur Genehmigung (LPH 1–4) oder die Ausführungsplanung und Bauleitung (LPH 5–8).
Die tatsächlichen Honorare liegen daher meist deutlich niedriger.
Wichtig
Diese Prozentangaben beziehen sich auf die Baukosten, nicht auf die Gesamtkosten des Projekts. Die Baukosten umfassen die reinen Bauleistungen, nicht Grundstück, Erschließung oder Außenanlagen.
Frühe Planung und Kostenkontrolle
Viele Bauherren zögern, früh einen Architekten zu beauftragen, weil sie die Kosten scheuen.
Eine frühe Planung kann jedoch verschiedene Vorteile haben:
- Fehler vermeiden: Ein durchdachter Entwurf kann teure Änderungen während der Bauphase verhindern
- Kostenkontrolle: Eine frühe Kostenkontrolle hilft, das Budget realistisch einzuschätzen
- Genehmigungsfähigkeit: Eine sorgfältige Einreichung des Bauantrags kann Nachforderungen und Verzögerungen vermeiden
- Abwägung: Ein Architekt kann frühzeitig Lösungen finden, die sowohl gestalterisch als auch wirtschaftlich sinnvoll sind
Typische Missverständnisse
Es gibt einige häufige Missverständnisse zu Architektenhonoraren:
“Architekten sind teuer”
Das Honorar eines Architekten liegt bei einer Gesamtbeauftragung theoretisch bei etwa 12–19% der Baukosten. In der Praxis werden jedoch meist nur einzelne Leistungsphasen beauftragt, sodass die tatsächlichen Honorare deutlich niedriger liegen.
”Ich kann auch ohne Architekt bauen”
Für genehmigungspflichtige Bauvorhaben ist ein bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser gesetzlich vorgeschrieben – das kann ein Architekt sein, muss aber nicht. Ein eingetragener Bauingenieur oder bei einfachen Vorhaben auch ein Techniker/Meister kann diese Rolle übernehmen. Zudem übernimmt ein Architekt wichtige Aufgaben: von der Vorbereitung des Bauantrags über die Koordination der Fachplaner bis zur Objektüberwachung.
”Das Honorar ist verhandelbar”
Seit Juli 2021 können Honorare frei vereinbart werden – die HOAI ist nicht mehr verpflichtend. Viele Architekten orientieren sich jedoch weiterhin an den HOAI-Orientierungswerten, um Transparenz und Fairness für beide Seiten zu schaffen.
Typische Fragen von Bauherren
Kann ich die Kosten im Voraus schätzen?
Ja, ein Architekt kann im Vorfeld eine Kostenschätzung erstellen, die zeigt, welche Kosten für die einzelnen Leistungsphasen zu erwarten sind. Die Schätzung orientiert sich an den HOAI-Werten und gibt Bauherren eine erste Orientierung. Die genauen Honorare werden nach HOAI-Tabellen berechnet und hängen von anrechenbaren Baukosten, Honorarzone und Leistungsumfang ab.
Welche Leistungen sind sinnvoll zu Beginn?
Eine frühe Planung kann Fehler vermeiden, Kostenkontrolle ermöglichen und Genehmigungsfähigkeit sicherstellen. Oft werden zunächst die Leistungsphasen 1–4 (bis zur Baugenehmigung) beauftragt, um das Projekt frühzeitig zu strukturieren und Risiken zu minimieren.
Zusammenfassung
Die Kosten eines Architekten hängen von vielen Faktoren ab und lassen sich nicht pauschal festlegen. Sie orientieren sich an den beauftragten Leistungsphasen, der Komplexität des Projekts und den anrechenbaren Baukosten. Ein persönliches Gespräch hilft, realistische Erwartungen zu entwickeln und den sinnvollen Leistungsumfang festzulegen.