Gebäudeklassen

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Gebäudeklassen ordnen Gebäude nach Höhe und Nutzung.

In Bayern (BayBO) werden Gebäude in die Gebäudeklassen GK 1–5 eingeteilt; die Einordnung hat praktische Folgen für Brandschutz, Rettungswege, Nachweise, Kosten und die Dauer des Genehmigungsverfahrens.

Diese Ausführungen beziehen sich auf Bayern (BayBO). In anderen Bundesländern können die Regelungen und Gebäudeklassen abweichen.

Wer die Gebäudeklasse früh kennt, vermeidet Fehlannahmen bei der Planung und kann Kosten realistisch einschätzen.

Kurz gesagt

  • Maßgeblich sind Höhe und Nutzungseinheiten.
  • Entscheidend ist die Fußbodenoberkante des obersten Aufenthaltsgeschosses.
  • GK 1–3 gelten bis 7 m, GK 4 beginnt ab über 7 m, GK 5 umfasst Gebäude über 13 m oder solche zwischen 7–13 m ohne GK 4-Anforderungen.
  • Sonderbauten sind zusätzlich möglich.
  • Die Gebäudeklasse beeinflusst Nachweise und Kosten.

Wie wird die Gebäudehöhe gemessen?

Die Gebäudehöhe wird von der mittleren Geländeoberfläche bis zur Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses mit Aufenthaltsraum gemessen.

Nicht der First ist maßgeblich.

Dieser Unterschied ist zentral: Die Gebäudehöhe entscheidet über die Gebäudeklasse und damit über Brandschutzanforderungen und Genehmigungsverfahren.

Zählt das Dachgeschoss zur Gebäudehöhe?

Das Dachgeschoss zählt nur zur Gebäudehöhe, wenn dort ein Aufenthaltsraum möglich ist.

Bei Steildächern und Hanglagen ist das häufig unklar – daher entstehen hier die meisten Streitfragen.

Entscheidend ist nicht die optische Höhe des Daches, sondern die Fußbodenoberkante des obersten Geschosses mit Aufenthaltsraum.

Praxis-Hinweis

Messpunkt: Fußbodenoberkante des höchsten Aufenthaltsgeschosses Nicht relevant: Firsthöhe, Dachneigung, optische Gesamthöhe

So ermitteln Sie die Gebäudeklasse

Schritt 1: Gebäudehöhe

Schritt 2: Nutzungseinheiten

Schritt 3: Gliederung und Rettungswege

Die fünf Gebäudeklassen im Überblick

KlasseKriteriumTypische Beispiele
GK 1freistehend, ≤ 7 m, max. 2 Nutzungseinheiten, ≤ 400 m²Einfamilienhaus
GK 2≤ 7 m, max. 2 Nutzungseinheiten, ≤ 400 m², nicht freistehendDoppelhaus, Reihenhaus
GK 3sonstige Gebäude ≤ 7 mkleines Mehrfamilienhaus
GK 4≤ 13 m, Nutzungseinheiten ≤ 400 m², brandschutztechnisch gegliedertgrößere Wohngebäude
GK 5alles, was nicht in GK 1–4 passtkomplexe Nutzung

Welche Bedeutung hat die Gebäudeklasse für Kosten, Nachweise und Verfahren?

Die Gebäudeklasse steuert, welche Nachweise erforderlich sind, wer sie erstellen darf und wie aufwendig das Genehmigungsverfahren wird.

Das hat direkte Auswirkungen auf:

Kosten

Nachweise

Genehmigungsverfahren

Wer unsicher ist, welche Gebäudeklasse vorliegt, sollte frühzeitig die Genehmigungsfähigkeit prüfen lassen.

Das hilft, Kosten und Zeitplan realistisch einzuschätzen.

Was ist der Unterschied zwischen GK 4 und GK 5?

GK 4: Gebäude zwischen 7 und 13 m Höhe sind möglich, wenn sie brandschutztechnisch gegliedert sind.

Das bedeutet: Nutzungseinheiten bis 400 m² müssen klar abgegrenzt sein und unabhängige Rettungswege je Einheit möglich sein.

GK 4 ist eine reguläre Gebäudeklasse für Wohngebäude zwischen 7 und 13 m Höhe, die besondere Planung erfordert.

GK 5: Gebäude, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden als GK 5 eingestuft.

Das betrifft komplexere Nutzungen, Gebäude ohne ausreichende brandschutztechnische Gliederung oder solche, bei denen unabhängige Rettungswege nicht möglich sind.

Wann wird ein Gebäude GK 4 statt GK 3?

GK 3: Gebäude bis 7 m Höhe (Fußbodenoberkante des obersten Aufenthaltsgeschosses).

GK 4: Beginnt ab über 7 m Höhe.

Sobald die Fußbodenoberkante des obersten Aufenthaltsgeschosses über 7 m liegt, kann das Gebäude nicht mehr GK 1–3 sein.

Ob es GK 4 oder GK 5 wird, hängt dann von der brandschutztechnischen Gliederung ab.

Warum “kippt” GK 4 oft zu GK 5?

Viele Planungen scheitern an den Anforderungen für GK 4:

Wenn eine dieser Bedingungen zutrifft, wird das Gebäude automatisch als GK 5 eingestuft.

Das hat erhebliche Auswirkungen auf:

Sonderbauten und Hochhäuser – Gebäudeklasse ist nicht gleich Sonderbau

Wichtig: Die Gebäudeklasse wird zusätzlich bestimmt, unabhängig davon, ob ein Gebäude auch Sonderbau ist. Gebäudeklasse ≠ Sonderbau.

Was sind Sonderbauten?

Sonderbauten sind Gebäude mit besonderen Nutzungen oder Risiken (z. B. Schulen, Kitas, Versammlungsstätten, Industriebauten).

Ein Gebäude kann gleichzeitig eine Gebäudeklasse haben (z. B. GK 4) und Sonderbau sein.

Beide Einordnungen haben unterschiedliche Anforderungen und beeinflussen Genehmigungsverfahren, Nachweise und Kosten.

Was ist ein Hochhaus?

Hochhäuser gelten ab 22 m Gebäudehöhe (gemessen bis zur Fußbodenoberkante des obersten Aufenthaltsgeschosses, nicht Firsthöhe).

Ein Hochhaus ist nicht automatisch GK 5, aber Hochhäuser haben immer höhere Gebäudeklassen und unterliegen gesonderten Brandschutz- und Sicherheitsregeln.

Typische Irrtümer:

Typische Fehler und Missverständnisse bei Gebäudeklassen

Diese Fehlannahmen führen häufig zu falschen Kostenschätzungen und Verzögerungen im Genehmigungsverfahren:

IrrtumKorrektur
Der B-Plan bestimmt die GebäudeklasseDie jeweilige Landesbauordnung bestimmt die Gebäudeklasse (in Bayern: BayBO)
Der First ist maßgeblichEntscheidend ist die Fußbodenoberkante
GK 4 ist nur „größeres Wohnen“GK 4 hängt von Gliederung und Rettungswegen ab

Wann wird ein Gebäude GK 4?

Siehe Abschnitt Was ist der Unterschied zwischen GK 4 und GK 5? oben. Kurz: GK 4 setzt Gebäudehöhe 7–13 m, brandschutztechnische Gliederung und unabhängige Rettungswege je Nutzungseinheit voraus. Viele Planungen scheitern daran und werden als GK 5 eingestuft.

Wann wird ein Gebäude GK 5?

GK 5 umfasst alle Gebäude, die nicht in GK 1–4 passen. Das betrifft:

Wie wird die Gebäudehöhe für die Gebäudeklasse gemessen?

Maßgeblich ist die Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Aufenthaltsgeschosses (nicht der First), von der mittleren Geländeoberfläche aus. Details siehe Abschnitt Wie wird die Gebäudehöhe gemessen? oben.

Zusammenfassung

Die Gebäudeklasse bestimmt die Anforderungen an Brandschutz, Rettungswege und Nachweise.

Sie ergibt sich aus Höhe, Nutzungseinheiten und Gliederung des Gebäudes.

Die Einordnung sollte früh erfolgen, weil sie Kosten, Planung und Genehmigung beeinflusst.

Quellen und Rechtsgrundlagen

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Über den Autor

Benjamin Schels, Architekt M.A., ist Inhaber des Architekturbüro Schels mit Sitz in Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm).

Die Inhalte dienen der sachlichen Orientierung und ersetzen keine individuelle Prüfung eines konkreten Bauvorhabens. Maßgeblich sind die jeweils geltenden gesetzlichen und örtlichen Regelungen (überwiegend Bayern).

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