Was kostet ein Architekt? – Honorare, Beispiele & Einordnung
Die Frage "Was kostet ein Architekt?" ist eine der häufigsten, die Bauherren beschäftigt. Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab: Art und Umfang des Bauvorhabens, den beauftragten Leistungsphasen nach HOAI und der Komplexität des Projekts. Dieser Artikel erklärt Honorare, gibt Beispiele und bietet eine sachliche Einordnung, wie Architektenhonorare entstehen und was Bauherren erwarten können.
Wie Architektenhonorare entstehen
Architektenhonorare werden in der Regel nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ermittelt. Die HOAI gibt einen verbindlichen Rahmen vor, innerhalb dessen das Honorar berechnet wird. Sie legt fest, welche Leistungen zu welchen Leistungsphasen gehören und wie das Honorar ermittelt wird.
Das Honorar ist nicht frei verhandelbar, sondern orientiert sich an:
- der Art des Bauvorhabens (Wohnbau, Gewerbebau, öffentliches Bauen)
- der Honorarzone (abhängig von der Komplexität)
- den beauftragten Leistungsphasen
- der Honorartafel (abhängig von der Gebäudeklasse und dem Honorarzonenplan)
Typische Honorarspannen
Pauschale Angaben sind schwierig, da jedes Bauvorhaben unterschiedlich ist. Grob orientieren kann man sich an folgenden Richtwerten für ein Einfamilienhaus:
- Grundlagenermittlung (LPH 1): ca. 2–4% der Baukosten
- Vorplanung (LPH 2): ca. 3–7% der Baukosten
- Entwurfsplanung (LPH 3): ca. 7–11% der Baukosten
- Genehmigungsplanung (LPH 4): ca. 11–15% der Baukosten
- Ausführungsplanung (LPH 5): ca. 15–20% der Baukosten
- Vorbereitung der Vergabe (LPH 6): ca. 2–3% der Baukosten
- Mitwirkung bei der Vergabe (LPH 7): ca. 1–2% der Baukosten
- Objektüberwachung (LPH 8): ca. 3–5% der Baukosten
- Objektbetreuung (LPH 9): ca. 1–2% der Baukosten
Für die Gesamtleistung (LPH 1–9) ergibt sich theoretisch ein Honorar von etwa 12–19% der Baukosten, abhängig von der Honorarzone und der Komplexität des Projekts. In der Praxis werden jedoch selten alle Leistungsphasen beauftragt. Oft übernimmt ein Architekt nur einzelne Phasen – etwa die Planung bis zur Genehmigung (LPH 1–4) oder die Ausführungsplanung und Bauleitung (LPH 5–8). Die tatsächlichen Honorare liegen daher meist deutlich niedriger.
Wichtig: Diese Prozentangaben beziehen sich auf die Baukosten, nicht auf die Gesamtkosten des Projekts. Die Baukosten umfassen die reinen Bauleistungen, nicht Grundstück, Erschließung oder Außenanlagen.
Warum frühe Planung Geld spart
Viele Bauherren zögern, früh einen Architekten zu beauftragen, weil sie die Kosten scheuen. Tatsächlich kann eine frühe Planung langfristig Geld sparen:
- Fehler vermeiden: Ein durchdachter Entwurf verhindert teure Änderungen während der Bauphase.
- Kostenkontrolle: Eine frühe Kostenschätzung hilft, das Budget realistisch einzuschätzen.
- Genehmigungsfähigkeit: Eine sorgfältige Vorbereitung des Bauantrags vermeidet Nachforderungen und Verzögerungen.
- Optimierung: Ein Architekt kann frühzeitig Lösungen finden, die sowohl gestalterisch als auch wirtschaftlich sinnvoll sind.
Typische Missverständnisse
Es gibt einige häufige Missverständnisse zu Architektenhonoraren:
"Architekten sind teuer"
Das Honorar eines Architekten liegt bei der Gesamtleistung (LPH 1–9) theoretisch bei 12–19% der Baukosten. Da in der Praxis meist nur einzelne Leistungsphasen beauftragt werden, sind die tatsächlichen Honorare oft deutlich niedriger. Verglichen mit den Gesamtkosten eines Bauvorhabens ist das ein überschaubarer Anteil. Zudem kann ein Architekt durch gute Planung Kosten einsparen, die das Honorar mehr als ausgleichen.
"Ich kann auch ohne Architekt bauen"
Für viele Bauvorhaben ist ein Architekt gesetzlich vorgeschrieben. Zudem übernimmt ein Architekt wichtige Aufgaben: von der Vorbereitung des Bauantrags über die Koordination der Fachplaner bis zur Bauleitung. Diese Aufgaben müssen sonst der Bauherr selbst übernehmen oder an andere Planer vergeben.
"Das Honorar ist verhandelbar"
Das Honorar nach HOAI ist nicht frei verhandelbar. Es gibt einen verbindlichen Rahmen, der Transparenz und Fairness für beide Seiten schafft. Abweichungen sind nur in begrenztem Umfang möglich.
Was beeinflusst die Kosten?
Verschiedene Faktoren beeinflussen die Höhe des Architektenhonorars:
- Komplexität: Einfache Bauvorhaben liegen in niedrigeren Honorarzonen, komplexe Projekte in höheren.
- Leistungsumfang: Werden alle Leistungsphasen beauftragt oder nur einzelne?
- Besonderheiten: Denkmalschutz, schwierige Baugrundverhältnisse oder besondere Anforderungen erhöhen die Komplexität.
- Projektgröße: Größere Projekte haben tendenziell niedrigere Honorarsätze (prozentual), kleinere Projekte höhere.
Zusammenfassung
Die Frage "Was kostet ein Architekt?" lässt sich nicht pauschal beantworten. Das Honorar hängt von vielen Faktoren ab und wird nach der HOAI ermittelt. Für die Gesamtleistung (LPH 1–9) liegt es theoretisch bei 12–19% der Baukosten. Da Architekten in der Praxis jedoch selten alle Leistungsphasen übernehmen, sind die tatsächlichen Honorare meist deutlich niedriger. Eine frühe Planung kann langfristig Geld sparen, indem sie Fehler vermeidet und Kosten optimiert. Diese Einordnung soll Bauherren helfen, realistische Erwartungen zu entwickeln und die richtigen Entscheidungen für ihr Bauvorhaben zu treffen.
Für eine konkrete Honorarschätzung ist ein persönliches Gespräch sinnvoll, in dem die Rahmenbedingungen des Projekts geklärt werden können.
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