Kostenbasis in der Architektur – Kostenschätzung, Kostenberechnung & Kostenkontrolle
Die Kostenermittlung ist ein zentraler Bestandteil der Architekturplanung. Sie begleitet das Bauvorhaben von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung – von der groben Kostenschätzung bis zur detaillierten Kostenberechnung. Für Bauherren bedeutet das: Transparenz und Planungssicherheit bei den Kosten.
Die verschiedenen Stufen der Kostenermittlung
Die Kostenermittlung wird im Laufe der Planung immer präziser. Sie beginnt mit groben Schätzungen und endet mit detaillierten Berechnungen. Die Leistungsphasen nach HOAI sehen für jede Phase spezifische Kostenermittlungen vor.
LPH 1–2: Kostenschätzung
In der Grundlagenermittlung und Vorplanung werden erste Kostenschätzungen erstellt. Sie basieren auf Erfahrungswerten und groben Annahmen. Ziel ist eine erste Einschätzung der Kostenordnung – nicht eine präzise Berechnung.
Die Kostenschätzung hilft Bauherren, das Projekt finanziell einzuordnen und erste Entscheidungen zu treffen. Sie zeigt: Ist das Vorhaben grundsätzlich finanzierbar? Welche Größenordnung ist zu erwarten?
LPH 3: Kostenberechnung
In der Entwurfsplanung wird die Kostenberechnung erstellt. Sie basiert auf dem konkreten Entwurf und detaillierteren Annahmen. Die Kostenberechnung ist präziser als die Kostenschätzung, aber noch nicht so detailliert wie die spätere Kostenermittlung.
Die Kostenberechnung gibt Bauherren eine belastbare Grundlage für die Entscheidung: Soll das Projekt weiterverfolgt werden? Welche Kosten sind zu erwarten?
LPH 5–6: Kostenermittlung
In der Ausführungsplanung und Vorbereitung der Vergabe wird die Kostenermittlung erstellt. Sie basiert auf der detaillierten Planung und ermöglicht eine präzise Berechnung der Kosten. Alle Bauteile, Materialien und Leistungen sind definiert und können kalkuliert werden.
Die Kostenermittlung ist die Grundlage für die Vergabe und gibt Bauherren Kostensicherheit: Sie wissen, was das Bauvorhaben kostet, bevor es gebaut wird.
Was in die Kostenermittlung einfließt
Die Kostenermittlung umfasst verschiedene Kostenarten:
- Bauwerkskosten – alle Kosten für die Erstellung des Bauwerks
- Außenanlagen – Kosten für Erschließung, Pflaster, Grünflächen
- Planungskosten – Honorare für Architekten und Fachplaner
- Baunebenkosten – Gebühren, Versicherungen, Baustelleneinrichtung
- Reserven – Puffer für unvorhergesehene Kosten
Je nach Planungsphase werden diese Kostenarten unterschiedlich detailliert erfasst. In der frühen Planung sind es grobe Schätzungen, in der späteren Planung detaillierte Berechnungen.
Kostenkontrolle während der Bauausführung
Die Kostenermittlung ist nicht nur eine einmalige Berechnung, sondern begleitet das gesamte Projekt. Während der Bauausführung wird die Kostenentwicklung kontinuierlich überwacht.
Die Bauleitung überwacht die Kosten, erfasst Änderungen und stellt sicher, dass die Kostenentwicklung transparent bleibt. Das gibt Bauherren Sicherheit über die finanzielle Entwicklung des Projekts.
Kostenabweichungen und Änderungen
Kostenabweichungen sind nicht ungewöhnlich. Sie können verschiedene Ursachen haben:
- Änderungen am Entwurf während der Planung
- Unerwartete Gegebenheiten im Bestand (bei Umbau oder Sanierung)
- Preisänderungen bei Materialien oder Leistungen
- Zusätzliche Anforderungen oder Wünsche
Eine gute Kostenermittlung berücksichtigt solche Abweichungen durch angemessene Reserven. Sie dokumentiert Änderungen transparent und stellt sicher, dass Bauherren jederzeit wissen, wo sie stehen.
Kostenoptimierung
Die Kostenermittlung ist nicht nur eine Berechnung, sondern auch ein Instrument zur Kostenoptimierung. Sie zeigt, wo Kosten entstehen und wo Einsparpotenziale liegen.
Durch Variantenvergleiche können kostengünstigere Lösungen gefunden werden – ohne die Qualität zu beeinträchtigen. Eine gute Kostenermittlung hilft, das beste Verhältnis zwischen Kosten und Qualität zu finden. Die Planung kann verschiedene Varianten entwickeln und deren Kosten vergleichen – das gibt Bauherren die Möglichkeit, die beste Lösung zu wählen.
Besonderheiten bei Umbau und Sanierung
Bei Umbauten und Sanierungen ist die Kostenermittlung besonders wichtig – und besonders schwierig. Was im Bestand verborgen ist, kann erst während der Ausführung sichtbar werden. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme minimiert solche Überraschungen, kann sie aber nicht immer vermeiden.
Ein Puffer für unerwartete Ausgaben ist bei Umbauten und Sanierungen besonders wichtig. Eine realistische Kostenschätzung berücksichtigt das und gibt Bauherren Planungssicherheit – auch wenn nicht alle Kosten von Anfang an bekannt sind.
Konkrete Fragen von Bauherren
WAS KOSTET EIN ARCHITEKT IN DEN LEISTUNGSPHASEN 1–4? Die Kosten Architekt Leistungsphase 1–4 richten sich nach den anrechenbaren Baukosten, dem Schwierigkeitsgrad und dem Umfang des Vorhabens. Die HOAI gibt für jeden Faktor konkrete Werte vor. Ein Architekt kann im Vorfeld eine Kostenschätzung erstellen, die zeigt, welche Kosten für die einzelnen Leistungsphasen zu erwarten sind. Die Kostenbasis umfasst dabei nicht nur das Architektenhonorar, sondern auch alle anderen Kosten des Bauvorhabens.
WIE GENAU SIND KOSTENSCHÄTZUNGEN? Die Genauigkeit hängt von der Planungsphase ab. In der frühen Planung (LPH 1–2) sind Kostenschätzungen grob – sie zeigen die Kostenordnung. In der späteren Planung (LPH 3–5) werden die Kostenermittlungen präziser. Eine realistische Kostenschätzung berücksichtigt alle Faktoren und gibt Bauherren Planungssicherheit.
WAS PASSIERT, WENN DIE KOSTEN ÜBERSCHRITTEN WERDEN? Kostenabweichungen sind nicht ungewöhnlich. Sie können verschiedene Ursachen haben – Änderungen am Entwurf, unerwartete Gegebenheiten im Bestand oder Preisänderungen. Eine gute Kostenermittlung berücksichtigt solche Abweichungen durch angemessene Reserven und dokumentiert Änderungen transparent.
Typische Fehler und Missverständnisse
Ein häufiger Fehler ist, die Kostenermittlung zu unterschätzen. Viele Bauherren denken, dass eine grobe Schätzung ausreicht – das ist nicht so. Eine sorgfältige Kostenermittlung berücksichtigt alle Kostenarten – Bauwerkskosten, Außenanlagen, Planungskosten, Baunebenkosten und Reserven. Unvollständige Kostenermittlungen führen zu Überraschungen während der Bauausführung.
Ein weiteres Missverständnis ist, dass die Kostenermittlung nur einmal erstellt wird. Das ist falsch – die Kostenermittlung begleitet das gesamte Projekt und wird in den verschiedenen Leistungsphasen immer präziser. Sie ist nicht nur eine einmalige Berechnung, sondern ein kontinuierlicher Prozess.
Ein drittes Missverständnis ist, dass die Kostenermittlung nur die Bauwerkskosten umfasst. Das ist falsch – sie umfasst alle Kosten des Bauvorhabens, einschließlich Planungskosten, Baunebenkosten und Reserven. Eine realistische Kostenermittlung berücksichtigt alle diese Faktoren.
Einordnung aus Architektensicht
Die Kostenbasis ist dann sinnvoll, wenn ein Bauvorhaben finanziell geplant werden soll. Sie ist besonders wichtig bei komplexen Vorhaben, bei denen verschiedene Kostenarten zu berücksichtigen sind. Die Kostenbasis sorgt dafür, dass Bauherren wissen, was das Bauvorhaben kostet, bevor große Entscheidungen getroffen werden.
Sie ist weniger sinnvoll, wenn das Vorhaben sehr einfach ist und keine besonderen Kostenrisiken hat. Aber auch hier kann eine Kostenermittlung sinnvoll sein, um Planungssicherheit zu schaffen und Überraschungen zu vermeiden.
Aus Architektensicht ist die Kostenbasis ein zentraler Bestandteil der Architekturplanung. Sie begleitet das Projekt von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung und gibt Bauherren Transparenz und Planungssicherheit. Eine sorgfältige Kostenermittlung verhindert Überraschungen und schafft die Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt.
Einordnung
Die Kostenbasis ist die finanzielle Grundlage eines Bauvorhabens. Sie begleitet das Projekt von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung und gibt Bauherren Transparenz und Planungssicherheit. Eine sorgfältige Kostenermittlung verhindert Überraschungen und schafft die Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt. Sie ist Teil der Architekturplanung und wird in den verschiedenen Leistungsphasen nach HOAI immer präziser.
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