Pool und Schwimmbecken in Bayern

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Ein Schwimmbecken ist in Bayern nach der seit 1. Mai 2026 geltenden BayBO außerhalb des bauplanungsrechtlichen Außenbereichs ohne eigene Volumengrenze verfahrensfrei. Die oft wiederholte pauschale Aussage „Pools sind nur bis 100 m³ genehmigungsfrei“ entspricht nicht dem aktuellen Wortlaut von Art. 57 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. a BayBO. Die 100-m³-Grenze steht weiterhin bei sonstigen Wasserbecken – das ist ein anderer Tatbestand.

Verfahrensfreiheit in Bayern: Pool, Standort, Bebauungsplan und weitere Bestandteile getrennt prüfen

Rechtsstand und Grenze

Geprüfter Rechtsstand: 1. September 2026, BayBO-Fassung gültig ab 1. Mai 2026. Verfahrensfrei bedeutet nur, dass kein bauaufsichtliches Genehmigungsverfahren nach diesem Tatbestand erforderlich ist. Bebauungsplan, § 34 oder § 35 BauGB, örtliche Satzungen und weitere Anforderungen gelten weiter.

Wann ist ein Pool verfahrensfrei?

VorhabenVerfahrensfrei?Einordnung
Privater Swimmingpool auf einem Wohngrundstück außerhalb des AußenbereichsJa, grundsätzlichArt. 57 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. a BayBO nennt keine Volumengrenze mehr.
Schwimmbecken mit temporärer luftgetragener Überdachung außerhalb des AußenbereichsJa, grundsätzlichDie dazugehörige temporäre luftgetragene Überdachung ist im Tatbestand ausdrücklich eingeschlossen.
Swimmingpool im AußenbereichNein nach Nr. 10 Buchst. aSchwimmbecken sind dort ausdrücklich ausgenommen. Der Wasserbecken-Tatbestand kann nicht als Ausweichregel für einen Swimmingpool benutzt werden.
Teich oder anderes Wasserbecken bis 100 m³Kommt darauf anArt. 57 Abs. 1 Nr. 6 Buchst. g betrifft Wasserbecken bis 100 m³; die objektive Art und Nutzung der Anlage entscheidet.
Fest überdachte Schwimmhalle oder PoolhausNicht durch den Pool-Tatbestand gedecktGebäude und feste Überdachungen sind gesonderte Anlagen und nach ihren eigenen Tatbeständen zu prüfen.
Pool formal verfahrensfrei, aber außerhalb des BaufenstersKommt darauf anVerfahrensfreiheit ersetzt keine planungsrechtliche Zulässigkeit oder erforderliche Befreiung.

Was steht aktuell in Art. 57 BayBO?

Die aktuelle Fassung von Art. 57 BayBO enthält zwei getrennte Regelungen:

  1. Art. 57 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. a: Schwimmbecken einschließlich dazugehöriger temporärer luftgetragener Überdachungen, außer im Außenbereich. Eine Volumengrenze nennt dieser Tatbestand nicht.
  2. Art. 57 Abs. 1 Nr. 6 Buchst. g: Wasserbecken mit einem Beckeninhalt bis zu 100 m³.

Damit ist der 100-m³-Wert nicht die aktuelle Verfahrensgrenze für ein Schwimmbecken außerhalb des Außenbereichs. Er bleibt für den eigenständigen Begriff des Wasserbeckens relevant.

Warum ältere Treffer abweichen

Frühere Fassungen begrenzten Schwimmbecken auf 100 m³. Wer ältere Behördenhinweise, Urteile oder Ratgeber liest, muss deshalb das damalige Recht vom aktuellen Wortlaut trennen. Maßgeblich für ein neues Vorhaben am 1. September 2026 ist die BayBO-Fassung gültig ab 1. Mai 2026.

Schwimmbecken oder Wasserbecken?

Die technische Bezeichnung des Herstellers entscheidet nicht allein. Maßgeblich sind Gestaltung, Ausstattung und objektiver Nutzungszweck.

Das Verwaltungsgericht München, Urteil vom 24. Juli 2023 – M 8 K 21.4282, hat für einen Swimmingpool im Außenbereich ausdrücklich entschieden, dass der Wasserbecken-Tatbestand nicht ausweicht: Die speziellere Regel für Schwimmbecken geht vor. Diese Abgrenzung bleibt für den Außenbereich relevant, obwohl sich die Volumengrenze des Schwimmbecken-Tatbestands inzwischen geändert hat.

Verfahrensfrei bedeutet nicht materiell zulässig

Art. 55 Abs. 2 BayBO lässt alle materiellen öffentlich-rechtlichen Anforderungen bestehen. Das Bayerische Bauministerium weist bei verfahrensfreien Vorhaben darauf hin, dass die Verantwortung für deren Einhaltung beim Bauherrn liegt.

Für einen Pool sind insbesondere zu prüfen:

  1. Bebauungsplan und Baufenster: Sind Schwimmbecken oder Nebenanlagen außerhalb der überbaubaren Fläche zugelassen, eingeschränkt oder ausgeschlossen?
  2. Unbeplanter Innenbereich: Fügt sich die Anlage nach § 34 BauGB in die nähere Umgebung ein?
  3. Außenbereich: Ist das Grundstück nach § 35 BauGB einzuordnen? Dann greift die Verfahrensfreiheit für Schwimmbecken gerade nicht.
  4. GRZ und Versiegelung: Becken, Terrassenflächen, Technik und Wege können das Maß der Grundstücksnutzung beeinflussen. Grundlagen: GRZ und GRZ/GFZ-Rechner.
  5. Geländeveränderungen: Aufschüttungen, Abgrabungen und Stützmauern sind eigenständige Bestandteile und nach ihren jeweiligen Regeln zu prüfen.
  6. Örtliche Satzungen: Grünordnung, Gestaltung oder Versiegelungsverbote können die Ausführung begrenzen.
  7. Schutzbereiche: Denkmal-, Natur-, Wasser- oder Überschwemmungsschutz können eigenständige Erlaubnisse oder Verbote auslösen.

Welche Teile gehören nicht automatisch zum verfahrensfreien Pool?

Art. 57 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. a erfasst das Schwimmbecken und eine dazugehörige temporäre luftgetragene Überdachung. Nicht pauschal eingeschlossen sind:

Diese Teile können jeweils einen eigenen Verfahrensfreiheitstatbestand haben. Sie dürfen aber nicht künstlich getrennt betrachtet werden, wenn sie tatsächlich ein einheitliches Gesamtvorhaben bilden. Das genannte Urteil M 8 K 21.4282 behandelt ebenfalls die Gesamtbetrachtung von Pool, Garage, Schuppen und Freiflächenmaßnahmen.

Zum Technikhaus kann je nach Größe der Artikel Gartenhaus in Bayern helfen; für Stützmauern und Sichtschutz: Zaun, Mauer und Stützmauer in Bayern.

Abstand zur Grenze

Der Schwimmbecken-Tatbestand enthält keine eigene Meterzahl zur Grundstücksgrenze. Daraus folgt weder ein pauschaler Mindestabstand noch eine pauschale Grenzzulässigkeit.

Zu prüfen sind vielmehr die tatsächlichen Bauteile und Wirkungen:

Art. 6 BayBO betrifft Gebäude und andere Anlagen mit gebäudegleicher Wirkung. Ein in den Boden eingelassenes offenes Becken ist deshalb anders zu beurteilen als eine aufragende Poolkonstruktion mit Einhausung. Pauschale Grenzangaben ohne Kenntnis des Querschnitts wären unzuverlässig.

Außenbereich: formell und materiell streng trennen

Bei einem Swimmingpool im Außenbereich endet die Prüfung nicht bei der fehlenden Verfahrensfreiheit. Zusätzlich ist die materielle Zulässigkeit nach § 35 BauGB zu prüfen. Das VG München hat im Fall M 8 K 21.4282 einen Swimmingpool als sonstiges Vorhaben bewertet, das unter anderem Belange von Natur, Landschaft und der Vermeidung einer Splittersiedlung beeinträchtigte.

Der Außenbereich beginnt nicht an der hinteren Gartenkante. Er ist eine bauplanungsrechtliche Gebietskategorie. Ein Grundstück mit Wohnhaus kann ganz oder teilweise im Außenbereich liegen, wenn es weder im einschlägigen Bebauungsplangebiet noch innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils liegt.

Vier Beispiele

Beispiel 1: 60-m³-Pool im Wohngebiet

Der Pool liegt außerhalb des Außenbereichs. Er fällt als Schwimmbecken unabhängig von seinem Volumen grundsätzlich unter Art. 57 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. a. Vor dem Bau sind Bebauungsplan, GRZ, Lage, Geländearbeiten und örtliche Satzungen zu prüfen.

Beispiel 2: 140-m³-Pool im Innenbereich

Auch hier enthält der aktuelle Schwimmbecken-Tatbestand keine Volumengrenze. Die erhebliche Größe kann materiell besonders relevant sein – etwa für Maß der Nutzung, Einfügung, Versiegelung und Gelände –, macht das Becken aber nicht allein wegen des Volumens verfahrenspflichtig.

Beispiel 3: 50-m³-Swimmingpool im Außenbereich

Nr. 10 Buchst. a schließt den Außenbereich ausdrücklich aus. Die 100-m³-Regel für Wasserbecken kann nicht allein wegen des kleineren Volumens herangezogen werden. Verfahren und Zulässigkeit nach § 35 BauGB sind vor dem Bau zu klären.

Beispiel 4: Pool plus festes Technikhaus und Stützwand

Das Becken kann formal verfahrensfrei sein. Technikhaus und Stützwand brauchen dennoch ihre eigene Prüfung; Bebauungsplan und Gesamtwirkung gelten für das gesamte Vorhaben.

Prüfschema vor Aushub oder Bestellung

  1. Grundstück einordnen: Bebauungsplan, Innenbereich oder Außenbereich.
  2. Anlage objektiv bestimmen: Schwimmbecken, Schwimmteich oder anderes Wasserbecken.
  3. Endausbau vollständig darstellen: Becken, Überdachung, Technik, Terrasse, Stützwände und Gelände.
  4. Art. 57 BayBO für jeden Bestandteil und das Gesamtvorhaben prüfen.
  5. Baufenster, Nebenanlagenregeln, GRZ und örtliche Satzungen lesen.
  6. Höhenlage, Grenze, Entwässerung und Schutzgebiete prüfen.
  7. Bei Befreiungs- oder Abweichungsbedarf die gesonderte Entscheidung vor Baubeginn beantragen; siehe Abweichung, Ausnahme und Befreiung.
  8. Das Ergebnis dokumentieren. Der Genehmigungscheck Bayern kann den Verfahrensweg nur vorläufig einordnen.

Häufige Fragen

Gilt die 100-m³-Grenze für private Pools noch?

Nicht als Volumengrenze des aktuellen Schwimmbecken-Tatbestands außerhalb des Außenbereichs. Dort nennt Art. 57 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. a seit der geltenden Fassung keine Volumengrenze. Die 100 m³ stehen bei Wasserbecken nach Nr. 6 Buchst. g.

Ist ein Aufstellpool anders zu behandeln?

Entscheidend sind Dauer, Konstruktion, Größe und tatsächliche Nutzung. Ein nur vorübergehend beweglich aufgestelltes Produkt kann anders einzuordnen sein als ein dauerhaft gegründetes oder an Leitungen angeschlossenes Becken. Die Bezeichnung „mobil“ oder „Aufstellpool“ allein entscheidet nicht.

Muss ein verfahrensfreier Pool angezeigt werden?

Art. 57 Abs. 7 BayBO enthält keine allgemeine Anzeige für Schwimmbecken. Eine erforderliche isolierte Befreiung, Abweichung oder Genehmigung für einen anderen Bestandteil bleibt davon unberührt.

Amtliche Quellen

Stand der geprüften BayBO-Fassung: 1. Mai 2026; geprüft am 1. September 2026.

Stand:

Über den Autor

Benjamin Schels, Architekt M.A., ist Inhaber des Architekturbüro Schels in Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm).

Die Inhalte dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Prüfung. Für Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen. Maßgeblich sind die jeweils geltenden gesetzlichen und örtlichen Regelungen sowie die zuständigen Behörden.

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